Die Nutzung eines Blogs im Bio-Unterricht

Eine wichtige Kompetenz, die die einzelnen Fächer im Unterricht vermitteln, ist die Bewertungskompetenz. Dazu gehört für die Schüler:innen auch, Fakten von Argumenten zu trennen, Positionen zu verstehen und diese selber zu vertreten.

Im Biologie-Unterricht der 8c spielte die Bewertungskompetenz gemeinsam mit der Vermittlung von Medienkompetenz nun eine Rolle.

Achtklässler wurden mit einem ökologischen Dilemma konfrontiert: In Neuss wurde zum Schutz der Natur eine beliebte Mountainbike-Strecke stillgelegt. Dazu hatte die Stadt Bäume fällen lassen, deren Stämme die Strecke dann blockierten:

Ausriss aus dem „Stadt-Kurier“

Die Schüler:innen sollten verschiedene Rollen einnehmen und dabei entweder die „Baumfällaktion“ verteidigen oder ablehnen.

Um die verschiedenen Positionen auszutauschen, nutzte die Klasse wegen der Corona-Pandemie und des Wechselunterrichts den Blog statt eines Rollenspiels. Weiterhin sollten anschließend auf diese Weise die Positionen der anderen kommentiert werden. Die Schüler:innen suchten sich eine Rolle und formulierten dazu passende Argumente. Diese wurden in fiktiven Interviews oder Texten wiedergegeben:


Wir heißen Sie in diesem Blog willkommen und hoffen Ihnen gefällt dieser Beitrag. Dieser Blog handelt vom Vorfall des Waldnutzungs-Dilemmas in Neuss. Doch nun fragen Sie sich wahrscheinlich: Was genau ist denn passiert in Neuss? Wir haben die Antwort für Sie! Und zwar wird in einem Waldstück im Rhein-Kreis Neuss geplant, eine seit über 20 Jahren existierende BMX- und Mountainbike-Strecke abzuschaffen. Das plötzliche Aus nach einer so langen Zeit wird damit begründet, dass es sich dabei um ein Landschaftsschutzgebiet handelt, welches erhalten werden solle, allerdings auf Kosten der Jugendlichen und Kinder, die dort seit vielen Jahren ihre Freizeit verbringen und Sport treiben. Politiker fordern nun eine Lösung und setzen sich dabei für die Kinder, Jugendlichen und anderen Nutzer der beliebten Mountainbike-Strecke am Stadtwalddamm ein. Das Grünflächenamt blockierte die Strecke bereits mit mehreren großen Bäumen und machte sie so unzugänglich und nicht nutzbar.

Im folgenden Interview haben wir einen Jugendlichen befragt, der die Strecke selbst seit mehreren Jahren nutzte und nun gegen die Baumfäll-Aktion protestiert und für die Neueröffnung kämpft.

M., P., M., E.

F: Wie stehst du als häufiger Nutzer dazu, dass die Mountainbike-Strecke zerstört wurde?

A: Ich bin sehr traurig. Ich bin dort gerne gefahren und Bewegung war und ist mir vor allen Dingen zu Pandemie-Zeiten sehr wichtig. 

F: Warum wurde die Strecke zerstört? Wie hättest du es gemacht?

A: Laut den Politikern muss das Landschaftsschutzgebiet unbedingt geschützt werden. Ich hätte wahrscheinlich ein paar strengere Maßnahmen zur Erhaltung gegeben. Aber die Strecke nicht direkt zerstört. 

F: Gibt es alternative Strecken?

A: Leider keine direkt in meiner Nähe. Diese war immer schnell zu erreichen und hat Spaß gemacht zu fahren.

F: Was gibt es denn sonst noch für Nachteile?

A: Nun, gesundheitlich ist es auch nicht gut. Ich bin es gewohnt mich am Tag recht viel zu bewegen. Das ist leicht, wenn man etwas hat was einem Spaß macht. Zudem kann ich wegen der Pandemie drinnen nichts mit meinen Freunden machen. Es war schön, sich zumindest draußen zu treffen. Aber jetzt heißt es nur noch: Drinnen hocken und Langeweile haben.


Aus der Sicht des Politikers: Gründe FÜR die „Baumfällaktion“

Liebe Bürger, wir Politiker sind für die Baumfällaktion, weil die Bäume sowieso alt sind und in Zukunft absterben werden. Außerdem dienen sie als natürliche Absperrung und schützen das Naturschutzgebiet. Die Tiere haben auch mehr Platz zum Leben. Die Aktion fand in einem Landschaftsschutzgebiet statt. Man darf deswegen dort kein Fahrrad fahren. Außerdem dienen die toten Bäume auch als neuer Lebensraum der Tiere.

R., V.

L.


Einige habe vielleicht schon gehört, dass die Mountainbike-Strecke in Neuss durch gefällte Bäume blockiert wird. Für uns ist es nicht ganz nachvollziehbar, warum die Entscheidung der Verwaltung der Stadt Neuss auf so viel Widerspruch trifft. Die Mountainbike-Strecke wurde aus guten Gründen von der Naturschutzbehörde des Rhein-Kreises Neuss geschlossen. Die Bäume dort waren von der Rußrindenkrankheit befallen und es bestand die Gefahr, dass Äste auf die darunter fahrenden Fahrradfahrer herabstürzen. Man versuchte zu verhindern, dass dies geschieht, und dass sich diese Krankheit weiter ausbreitet. Diese Strecke befand sich außerdem in einem Landschaftsschutzgebiet und wurde schon viele Jahre lang verbotenerweise von Fahrradfahrern benutzt. Würden dort weiterhin Fahrradfahrer fahren, würden der Stadt Neuss Bußgelder drohen. Die gefällten Bäume bieten eine natürliche Wegblockade, sodass dort niemand mehr so einfach vorbeikommt und somit die dort lebenden Tiere stört. Das bietet für die Tiere einen größeren und besseren Lebensraum. Wir können verstehen, dass einige nicht wollen, dass diese Strecke für niemanden mehr zugänglich ist, aber wollen sie nicht auch, dass Tiere in einem Landschaftsschutzgebiet frei leben können, ohne von Menschen gestört zu werden?

T., L., T., C.

Aus der Sicht des Naturschützers FÜR die „Baumfällaktion“

Es ist Zeit an die Natur zu denken. Die Fahrradfahrer stören die Jäger und Tiere, verschmutzen das Gebiet und zudem wird der Untergrund, auf dem die Fahrradfahrer fahren, zerstört und braucht seine Zeit sich zu erholen.

I., S., S.

Aus der Sicht des Naturschützers die „Baumfällaktion“

J., T.


Aus der Sicht der Jugendlichen GEGEN die „Baumfällaktion“

Wir müssen uns um unsere geliebte Strecke kümmern. Da diese Fläche ein Landschaftschutzgebiet ist, dürfen wir Jugendliche heute dort kein Fahrrad mehr fahren, aber selbst unsere Eltern fuhren dort schon Fahrrad und wir denken, dass es keinen Unterschied machen würde, wenn wir die Strecke benutzen könnten. Zudem ist dieser Ort da, um Freundschaften zu schließen und neue Bekanntschaften zu machen.

Auch den Tieren wurde der Lebensraum genommen, indem die Bäume gefällt wurden. Es könnten neue Bäume gepflanzt werden um den Tieren einen neuen Lebensraum zu bieten.
Viele Freiwillige würden bei der Aktion, die Bäume wegzuräumen, helfen, wodurch wir keine weitere Hilfe der Stadt benötigen würden, dies würde auch keine Umstände für die Stadt bedeuten.

Unser Wald bedeutet unserer Generation sehr viel, die Erwachsenen müssen auch auf unsere Forderungen eingehen und können nicht einfach eine Mountainbikestrecke zerstören.

L., C., J., M., P.

Aus der Sicht eines Elternteils: GEGEN die „Baumfällaktion“:

A:Warum stört es Sie als Elternteil von einem Kind was dort Fahrrad fährt, dass die Bäume gefällt werden?

B: Mein Kind fährt dort ziemlich oft Fahrrad und ich finde es auch eigentlich sehr schön, da es dort an der frischen Luft mit seinen Freunden einer sportlichen Aktivität nachgeht.

A: Das kann man natürlich verstehen, aber ihr Kind kann doch auch woanders Fahrrad fahren.
B: Ja das stimmt, aber die einzigen legalen Mountainbike-Strecken sind ein paar Stunden mit dem Auto entfernt, also nichts, wo man mal auch in der Woche hinfahren kann. Ich finde es eigentlich immer sehr angenehm, wenn er dort eigenständig hinfahren kann, um sich mit Freunden zu treffen und mit ihnen Fahrrad zu fahren.

A: Ja das stimmt natürlich gerade wenn man als Elternteil arbeitet, ist das sehr angenehm.
B: Ja, es ist sehr angenehm, besonders wenn man dann auch eigentlich weiß, dass mein Kind in Sicherheit ist, und auch wenn er fällt, andere Leute da sind, die ihm helfen können.

M.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.